Radtour durch Norwegen

Unseren diesjährigen Sommerurlaub (2016) verbrachten wir mit den Fahrrädern in Norwegen. Wir fuhren in 9 Tagen 629 km von Kristiansand nach Bergen entlang des Nordseeküstenradweges - davon 474 km mit dem Fahrrad, 134 km mit dem Bus und 21 km mit der Fähre.

Zur Planung und Durchführung der Reise holten wir uns die Fahrradkarten des Castor Forlag (http://www.castorforlag.no). Diese stammen zwar noch aus dem Jahr 2007, sind aber dennoch recht aktuell. Einige größere Straßen wurden etwas verlegt oder umgebaut, trotzdem fanden wir uns mit Hilfe der Karten vor Ort immer zurecht. Da die Karten nur in Norwegisch geschrieben sind, habe ich diese mit Hilfe der englischen Version ins Deutsche übersetzt (siehe Downloads).

Der Nordseeküstenradweg (R1) war auf unserem Teilstück gut ausgeschildert, manchmal fehlte das eine oder andere Schild oder Schilder waren verdreht, aber wie schon geschrieben, helfen in dem Fall die Karten recht gut. Auch kann man sich an Kreuzungen an den Schildern der Gegenrichtung orientieren. In Kristiansand gibt es allerdings eine neue Wegführung des R1 - scheinbar entlang der E39. Wir haben uns hier an die alte Wegführung der Karten gehalten und diese ist auch, hat man einmal die entscheidende Kreuzung gefunden und passiert, weiterhin ausgeschildert. In Stavanger bzw. vor Stavanger verläuft der R1 ebenfalls auf einer neuen Route, nur sollte man sich hier tatsächlich auch daran halten, denn sonst steht man vor einer Fähre, die zwar noch die Insel Kvitsøy ansteuert, aber nicht mehr Skudeneshavn auf der gegenüberliegenden Seite. Norwegen hat mit dem Ausbau der E39 (Untertunnelung eines Fjordes) und der damit verbundenen Stilllegung einer Fährverbindung den Nordseeküstenradweg unterbrochen und nicht wirklich für eine Alternative gesorgt. Bis vor einigen Jahren führte der R1 an Stavanger vorbei nach Mekjarvik und von dort aus mit der Fähre nach Skudeneshavn. Diese Verbindung ist nun nicht mehr vorhanden und die einzige Straße, welche einen wieder in die Nähe des R1 bringen würde, ist die E39 durch einen Tunnel, der allerdings für Radfahrer gesperrt ist. Alternativ wird man heute mit Hilfe der neuen Beschilderung zum Busbahnhof nach Stavanger geführt (oder vielleicht auch weiter, wir wollten eh zum Busbahnhof und haben zum Schluss auch kein Schild mehr entdeckt). In Stavanger gibt es nun zwei Möglichkeiten um wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Die Busse der Firma Norway Kystbussen (http://kystbussen.no) nehmen, wenn Platz vorhanden, Radfahrer gerne mit. Es gibt eine Verbindung von Stavanger über Haugesund, Leirvik nach Bergen. Der erste Kontakt dieser Buslinie mit dem Radweg R1 findet an der Haltestelle Norheim kurz vor Haugesund statt. Wenn man so viel wie möglich vom R1 mitnehmen möchte, sollte man hier aussteigen. Folgende Tipps möchten wir noch mitgeben: am Busbahnhof einfach die Busfahrer ansprechen, gezahlt wird im Bus und die Busse halten an kleineren Bushaltestellen nur nach Wunsch (Knopfdruck). Also am Besten im Voraus dem Busfahrer Bescheid geben, wo man aussteigen möchte, denn meistens kennt man als Tourist die Reihenfolge der Bushaltestellen nicht. Die zweite Möglichkeit ist eine Expressfähre (Ryfylke Route, http://www.kolumbus.no/en/routes/ferries/ryfylke/) von Stavanger nach Nedstrand. Allerdings liegt Nedstrand ein ganzes Stück (ca. 50 km) entfernt vom Nordseeküstenradweg.

Die Beschaffenheit des Radweges ist sehr unterschiedlich. Es ist alles von Strandwegen, Schotterwegen mit losem Kies, festen Schotterwegen, asphaltierten Wegen, zwei- und dreistellige Bundesstraßen bis hin zu Teilstücken auf der E39 vertreten. Die Strandwege – in der Nähe von Varhaug – sind mit dem Fahrrad eigentlich nicht zu befahren und die Teilstücke auf der E39 können mitunter aufgrund des regen (LKW-)Verkehres gefährlich werden. Der Nordseeküstenradweg führt immer mal wieder auf „alten“ Straßen entlang – Gamle Mandalsvei, Vestlandske Hovedveg, Den Gamle Jærbanen, Vestlandske Hovudveg – die ein stetes und steiles Bergauf und -ab mit sich bringen. Hier ist nicht nur Muskelkraft in den Beinen, sondern auch in den Armen gefragt.

Zwei Dinge möchte ich noch anmerken. Als Erstes: die wichtigsten Ersatzteile für diesen Teil des R1 (Kristiansand-Bergen) sind Bremsbelege. Wir haben geschafft, was wir in den 10 Jahren zuvor nicht geschafft haben, und zwar unsere Bremsbelege auf den Bergetappen komplett zu verbremsen. Und als Zweites: kullinarische Highlights sollte man in Norwegen nicht erwarten. Da wir selber nicht gekocht haben, waren wir immer auf die Versorgung vor Ort angewiesen. Wir haben uns fast ausschließlich von Burger, Döner, Pizza und Pølse, sprich Fast-Food ernährt.

Nach langem Reden bzw. Schreiben möchte ich nun aber zur Vorstellung unserer Radreise kommen. Wir reisten von Frankfurt/Main zwei Tage mit der Bahn und Fähre über Flensburg, Århus, Hjørring und Hirthals nach Kristiansand / Norwegen an. Unsere Erfahrungen mit der dänischen Staatsbahn werden in einem extra Artikel geschildert. Unseren ersten Stop legten wir in Århus in Dänemark ein. Dort übernachteten wir in einer sehr empfehlenswerten Jugendherberge (Danhostel Århus http://aarhusdanhostel.dk). Am nächsten Tag setzten wir dann frisch gestärkt von Hirthals mit der Fähre nach Kristiansand über um von dort aus wieder einen Tag später unsere Radtour zu starten.

Hier ein Überblick unseres Routenverlaufs. Die Strecken sind abwechselnd in Rot und Dunkelgrün dargestellt. Die letzten beiden Routen wurden durch eine Fahrt mit dem Bus und der Fähre (beiden in Blau) ergänzt/unterbrochen.

(Kartengrundlage: OpenStreetMap http://www.openstreetmap.org/copyright)

Tag 1

Fahrt von Kristiansand nach Mandal
Länge: 62 km
Höhendifferenz: 2 m – 140 m
Übernachtung auf dem Campingplatz Sjøsanden Feriesenter (http://www.sjosanden.no) in Mandal

Zwischen Kristiansand und Mandal verläuft der Nordseeküstenradweg scheinbar auf einer neuen Route. Wir hielten uns allerdings an den alten Verlauf unserer Karten und ich denke, dass dies auch der landschaftlich reizvollere Weg ist. Dieser führte uns unter anderem entlang einer alten Postroute, dem Gamle Mandalsvei. Zu erwähnen wäre hier nur, dass dieser Weg sehr steile Abfahrten auf losem Kies für den Radfahrer bereit hält.

Tag 2

Fahrt von Mandal nach Farsund
Länge: 66 km
Höhendifferenz: 1 m – 220 m
Übernachtung im Farsund Fjordhotel (http://www.farsundfjordhotell.no)

Dieses Teilstück war für uns gefühlt aufgrund vieler Steigungen sehr anstrengend. Daraufhin haben wir uns am Abend dazu entschlossen, die nächsten Routen aufzuteilen bzw. zu kürzen.

Tag 3

Fahrt von Farsund nach Kvinesdal
Länge: 59 km
Höhendifferenz: 1 m – 250 m
Übernachtung auf dem Campingplatz Sarons Dal Ferie og Fritidsenter (http://troensbevis.no) in Kvinesdal

Hier möchte ich unbedingt etwas zu den Unterkunftsmöglichkeiten in Kvinesdal erwähnen. Wir wollten eigentlich in einem Gästehaus (Kvinesdal Gjestehus) übernachten. Leider stellten wir fest, dass dieses in ein kirchliches Gemeindehaus umgewandelt wurde und für Übernachtungen nicht mehr zur Verfügung steht. Uns blieb nur noch die Übernachtung auf einem Campingplatz. Grundsätzlich ist das kein Problem, aber wir hatten das Glück oder wohl eher das Pech einen Zeitraum zu erwischen, in dem dort eine größere Veranstaltung der Kirche stattfand. Das bedeutete, dass der Campingplatz völlig überfüllt war, zudem auch noch schlecht organisiert. Für vielleicht 100 - 150 Wohnmobile standen gerade mal fünf Toilettencontainer mit Waschbecken zur Verfügung. Von Duschen war weit und breit nichts zu sehen. Wenn man seine Route anders legen kann, sollte man Kvinesdal als Übernachtungsort meiden.

Tag 4

Fahrt von Kvinesdal nach Flekkefjord
Länge: 33 km
Höhendifferenz: 2 m – 242 m
Übernachtung im Grand Hotel (http://www.grand-hotell.no) in Flekkefjord

Der Nordseeküstenradweg verläuft hier ein Teilstück auf der E39. Gerade dieses Teilstück war eines der gefährlichsten. Die E39 muss bergab gequert werden, da der Radweg auf der linken Straßenseite in den Wald abbiegt. Diese Abbiegung ist auch sehr leicht zu übersehen. Flekkefjord ist ein sehr beschauliches Städtchen, allerdings schließen die meisten Geschäfte hier recht frühzeitig zwischen 16 und 17 Uhr. Aber keine Angst die großen Lebensmittelmärkte haben länger geöffnet. Das Grand Hotel in Flekkefjord ist sehr zu empfehlen, aber auch nicht ganz günstig. Es liegt mitten im Herzen der Stadt und strahlt den Charme des 19. Jahrhunderts aus.

Tag 5

Fahrt von Flekkefjord nach Hauge i Dalane
Länge: 38 km
Höhendifferenz: 1 m – 275 m
Übernachtung auf dem Campingplatz Bakkaåno Camping & Gjestegård (http://www.bakkaanocamping.no) in Hauge i Dalane

An Tag 5 erreichten wir den höchsten Punkt der gesamten Tour. Mittlerweile hatten wir uns auch an die doch recht steilen Etappen in den Bergen gewöhnt. Die Strecke weißt einige schöne Ausblicke auf und auch einen alten Tunnel entlang einer Felswand. Der Campingplatz in Hauge i Dalane ist sehr schön gelegen und bietet auch interessante Übernachtungsmöglichkeiten (siehe Homepage). Wir haben uns in dieser Nacht eine Hütte gegönnt.

Tag 6

Fahrt von Hauge i Dalane nach Ogna
Länge: 61 km
Höhendifferenz: 1 m – 153 m
Übernachtung auf dem Campingplatz Ogna Camping (http://www.ognacamping.no)

Der Radweg führt auf diesem Teilstück entlang zweier schwieriger, aber landschaftlich schönen Schotterstrecken – Den Gamle Jærbanen und Vestlandske Hovudveg – mit sehr steilen Anstiegen, auf denen man das Fahrrad nur noch schieben konnte. Der Campingplatz liegt an einem sehr schönen Strand, ist aber mehr für Campingwagen/Wohnmobile ausgelegt.

Tag 7

Fahrt von Ogna nach Ræge
Länge: 59 km
Höhendifferenz: 0 m – 55 m
Übernachtung auf dem Campingplatz Sola Motel & Camping (Internetseite nicht mehr aktiv) in Ræge

Nach etlichen Bergetappen verläuft der Radweg ab Ogna wieder recht flach, einzig zwei Teilstrecken am Strand sind mit dem Fahrrad nicht befahrbar. Es handelt sich hierbei um zwei schmale Spurrillen mit einem kaum überwindbaren Grashügel in der Mitte (Sturzgefahr). Der Campingplatz ist nicht zu empfehlen. Unsere Hütte war zwar sauber, aber die Sanitäranlagen waren die reinste Katastrophe. Die Toiletten waren leck und die Duschen defekt und nicht sehr sauber. Das Personal sprach kein Englisch und die Bezahlung erfolgte in Bar und ohne jeglichen Beleg oder Abfrage der Personalien.

Tag 8

Fahrt von Ræge nach Fitjar
Länge: 181 km (davon 47 km mit dem Fahrrad)
Höhendifferenz: 1 m – 95 m
Übernachtung im Fitjar Fjordhotel (http://www.fitjar-fjordhotell.no)

Von den 181 km fuhren wir lediglich 47 km mit dem Fahrrad. Den Rest legten wir mit dem Bus zurück. Wie weiter oben schon beschrieben, wurde der Nordseeküstenradweg hier durch den Wegfall einer Fährverbindung unterbrochen, deshalb mussten wir auf den Bus umschwenken. In Stavanger erwischten wir einen sehr netten Busfahrer, der uns auch sehr interessiert nach unserem Vorhaben fragte und uns die gesamte Busfahrt immer im Blick hatte. Eigentlich hatten wir vor, von Stavanger nur bis nach Haugesund zu fahren, aber nach einem kurzen Gespräch mit dem Busfahrer nahm uns dieser dann bis nach Leirvik mit. Dadurch verkürzten wir unsere Radtour um einen Tag. Über die Strecke zwischen Haugesund und Leirvik können wir an dieser Stelle nun leider nichts berichten. Möchte man soviel wie möglich vom Nordseeküstenradweg mitnehmen, sollte man an der Haltestelle Norheim kurz vor Haugesund aussteigen. Das Fitjar Fjordhotel ist ebenfalls sehr zu empfehlen, aber auch wieder nicht ganz günstig.

Tag 9

Fahrt von Fitjar nach Bergen
Länge: 70 km (davon 49 km mit dem Fahrrad)
Höhendifferenz: 1 m – 230 m
Übernachtung im Hotel No 13 (http://www.nordicchoicehotels.com/nordic-resort/hotel-no13) in Bergen

Von Fitjar fuhren wir erst einmal bis nach Sandvikvåg und setzten von dort aus mit einer Fähre nach Halhjem über. In Osøyro wurde der Routenverlauf etwas kniffelig. Aufgrund eines verdrehten Schildes fuhren wir im Kreis und mussten uns schlussendlich doch einmal auf die satellitengestützte Navigation verlassen. Bevor wir nach Bergen kamen, stand noch einmal ein Anstieg auf 230 m vor uns. Der Reiseführer versprach, oben angekommen, eine leckere Portion "Rømmegrøt". Doch leider gibt es das Café Fanaseter scheinbar nicht mehr. Der Radweg im Großraum Bergen ist sehr gut ausgeschildert und zeitweise auch sehr idyllisch. Er führte beispielsweise auf einem alten Bahndamm entlang. Man kam sich gar nicht mehr wie in einem dicht besiedelten Gebiet vor. Das Hotel No 13 in Bergen ist ein sehr luxuriöses Hotel und hat uns auch das meiste Geld gekostet. Aber es war sein Geld wert und wir hatten bisher selten so ein fantastisches Frühstück. Selbst unsere Fahrräder fanden im Technikraum über Nacht ein trockenes Plätzchen. Bergen selbst ist eine sehr schöne Stadt und bei Sonnenschein hätte sie uns bestimmt noch mehr Spaß bereitet.

Am nächsten Tag fuhren wir von Bergen aus mit der Fähre über Nacht wieder zurück nach Hirthals in Dänemark und von dort aus mit der Bahn nach Frankfurt/Main.

Zusammengefasst ist der Nordseeküstenradweg in Norwegen von Kristiansand nach Bergen anstrengend, aber auch sehr sehenswert und gut befahrbar. Würde ich den Weg ein zweites Mal fahren, würde ich mir mehr Zeit dafür nehmen und kürzere Teilstrecken anstreben. Wir waren oftmals mehr mit dem Radfahren beschäftigt und konnten uns dadurch kaum Sehenswürdigkeiten anschauen oder einfach mal an einem schönen Plätzchen verweilen.

Links:
Downloads: